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11.08.2014 Zurück

Wettrüsten Richtung Gleichstand

Beratungsunternehmen gründen zu Hauf Abteilungen mit dem Prädikat „digital“ und „innovativ“. Und trotz allem Streben nach Innovation bugsieren sich die Beratungshäuser allesamt in die gleiche Richtung.

In unserem letzten Artikel berichteten wir über die Akquisitionen der Wirtschaftsprüfer in der Beratungsbranche. Neben den „Fremdlingen“ wachsen aber auch die in der Branche bestens etablierten Beratungsunternehmen fleissig. Lassen Sie uns diese Aussage anhand von Beispielen präzisieren.

Beratungen erschliessen neue Geschäftsfelder

Einerseits dringen die Beratungshäuser mit intern aufgebauten Practices in neue Geschäftsbereiche vor. Als gutes Beispiel dafür taugt die Boston Consulting Group. BCG lancierte mit „Digital Ventures“ den Versuch, in der digitalen Welt Tritt zu fassen. Gemäss Webseite besteht das Subunternehmen aus den drei Komponenten Strategie, IT und Design. Weithin als traditionsreiche Strategieberatung bekannt, überraschen die neuen Kernkompetenzen IT und Design. BCG wagt sich damit in Gefilde vor, die bisher eher anderen Beratungshäusern vorbehalten waren.

Zum Beispiel Accenture. Es verwundert nicht, beim historisch eher technisch angehauchten Unternehmen den Bereich „Accenture Digital“ anzutreffen. Dabei sollte Ihnen nicht nur der Name vertraut vorkommen. Die angebotenen Dienstleistungen umfassen die Bereiche IT, Strategie sowie eine Mischung zwischen Marketingmassnahmen und Design – die Ähnlichkeit mit dem BCG-Angebot verblüfft. Gleichzeitig bedient Accenture mit der Plattform „Accenture Strategy“ die strategischen Bedürfnisse seiner Kunden. Strategie wiederum ist ein Bereich, auf den sich Beratungen wie BCG seit jeher konzentrieren. Droht also ein Einheitsbrei in der Beratungsbranche?

Ohne fremde Hilfe klappt es nicht

Die Akquisitionen der traditionellen Strategieberatungen lassen darauf schliessen. Im Juli dieses Jahres verkündete BCG die Akquisition von S&C. Beim australischen Boutiqueberater fokussieren sich rund 20 Berater auf den Bereich strategisches Design. Damit komplettiert BCG das angebotene Dienstleistungs-Trio und kann sich, neben der Strategie,  auch mit den wichtigen Komponenten „IT & Design“ verstärken. Andere klassische Strategieberatungen wagten ähnliche Schritte. So übernahm der Branchenprimus McKinsey im Oktober 2013 mit Brick and Click Solutions eine Boutique für Digitales Marketing.

Auf der anderen Seite lösen sich klassische IT-Dienstleister vom staubigen Image des detailorientierten Prozessoptimierers und IT-Providers. Beispiel Accenture: Im Oktober 2012 wurde das Unternehmen AvVenta Worldwide in den Konzern eingegliedert, im Mai 2013 der Kaufprozess von Fjord abgeschlossen, im Juli derjenige der Acquity Group. Die zugekauften Firmen sind  grösstenteils in den Bereichen Design und Digital Marketing aktiv. Auch die Beratung Cap Gemini punktet mit zugekauften Kompetenzen, erworben unter anderem durch die Übernahmen von SSP, Prosodie, Artesys und Avantias. Und dann gibt es noch Cognizant, die unter dem trendigen Namen „Future of Work“ einen Frontalangriff auf die klassischen HR-Berater lancieren.

Diese Beispiele lassen die Bemühungen der grossen Beratungshäuser erahnen, durch innovative, spezialisierte Dienstleistungen und Expertenlösungen zu wachsen. Dieser neu entfachte Eifer führt aber zu einem Problem: Konnte man früher noch klar zwischen Unternehmen mit technischer Herkunft, beispielsweise Accenture, und Beratungen mit einem strategischen Big Picture Ansatz unterscheiden, fällt diese Differenzierung zunehmend schwierig. Welche strategischen Gründe sowohl Beratungshäuser als auch Wirtschaftsprüfer veranlassen, in die gleiche Richtung zu stampfen, erfahren Sie in unserem nächsten News-Beitrag.