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19.01.2015 Zurück

Roland Berger gründet eine „Fabrik“ für digitale Geschäftsmodelle

Mit einem „Super-Inkubator“ katapultiert sich Roland Berger in die digitale Geschäftswelt. Bietet dieser Schritt Möglichkeiten zur Differenzierung, oder zieht Berger nur mit der Konkurrenz gleich?

Roland Berger nimmt mit einem „Super-Inkubator für grosse Unternehmen“ Einzug in die digitale Geschäftswelt. Laut dem CEO von Roland Berger, Charles-Edouard Bouée, soll der Inkubator „wie eine Fabrik funktionieren“ und „eine Firma mit digitalem Geschäftsmodell nach der anderen produzieren“. Dies sei besonders notwendig, weil sich Europa auf digitalem Terrain noch im Hintertreffen befinde. Die notwendigen Ressourcen, beispielsweise Kapital, Talente und Ideen, seien jedoch vorhanden und müssten nur organisiert werden, verkündet der CEO im Interview mit dem manager magazin. Gemäss einer Pressemitteilung will Berger diese Ressourcen mit der neu lancierten Plattform „Terra Numerata“ strukturieren. Der Inkubator bildet in diesem Zusammenhang das erste Joint Venture, weitere sollen folgen.

Kritiker könnten bemängeln, dass Berger mit dem Inkubator und der Plattform lediglich mit der Konkurrenz gleichziehe. Wir berichteten in dieser News, dass sich BCG und McKinsey im digitalen Bereich bereits durch diverse Akquisitionen verstärkt haben. Im Gegensatz zur Konkurrenz tätigt Berger jedoch keine Akquisition. Stattdessen geht das Beraterhaus im Falle des neuen Inkubators ein 50:50 Joint Venture mit Rocket Internet ein. Rocket Internet, spezialisiert auf die Replikation, den Aufbau und Verkauf von erfolgreichen digitalen Geschäftsmodellen, wagte im Oktober 2014 den Börsengang. Davor nahm Roland Berger höchstpersönlich Einsitz in den Aufsichtsrat von Rocket Internet, wie die Wirtschaftswoche berichtete. Könnte das Joint Venture ein zaghafter Versuch seitens Berger sein, Wissen im digitalen Bereich zu sammeln, ohne allzu grosse finanzielle Risiken einzugehen?

Fähigkeiten im digitalen Bereich würden zweifellos Bouées Absichten unterstützen, das Beratungsangebot horizontal zu erweitern und den Kunden neue Dienstleistungen anzubieten. Dieses Ziel klingt stark nach einem One-Stop-Shop, wie ihn viele Beratungsfirmen anstreben. Mit einem neuen Logo im ersten Quartal 2015 will Bouée diese neue Stossrichtung verdeutlichen. Berger soll „die Grenzen der sogenannten Strategieberatung“ hinter sich lassen.

Ob dieser Wandel tatsächlich materialisiert wird oder lediglich den Paukenschlag eines neuen CEOs darstellt, bleibt abzuwarten. Die neue „Fabrik“ soll innerhalb der nächsten sechs Monate anrollen und operativ tätig werden. Erste Joint-Ventures waren für Ende Dezember 2014 und Anfang 2015 angekündigt.