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16.03.2016 Zurück

Quo vadis Beratung? Das Geschäft mit den neuen Technologien

Der Beratungsmarkt hat wieder an Fahrt aufgenommen. Viel zu den neuen Wachstumsaussichten tragen die neuen Technologien bei. Aber ist das wirklich noch Unternehmensberatung?

Managementberatung im Technologiezeitalter

Die Nachfrage nach Beratungsleistungen ist wieder am Wachsen, aber verändert sich schnell. Der Markt ist an einem Punkt, an dem Managementberatung ohne Technologie kaum noch möglich ist. Die heutigen Kunden suchen nach Lösungen für den strategischen Einsatz neuer Technologien, um von den digitalen Möglichkeiten in ihren jeweiligen Märkten zu profitieren. Beratungsunternehmen reagieren auf diesen Bedarf an digitaler Transformation mit neuen Dienstleistungen, die sich teilweise immer weiter von den Geschäftsmodellen der traditionellen Beratung entfernen. Die wichtigsten Verknüpfungen von Consulting & Technologien finden dabei in den Bereichen

  • Daten/ Analytics,
  • Plattformen,
  • Automatisierung,
  • Marketing/ Advertising & Design,
  • Cyber Security, IoT, Cloud & Co.

statt.

 

Das Geschäft mit den Daten

Mehr denn je wird es als ausschlaggebend angesehen, dass Unternehmen Einsichten aus Daten gewinnen, um intelligente Entscheidungen treffen und Wettbewerbsvorteile gewinnen zu können. Das «Geschäft» mit den Daten beflügelt den Beratungsmarkt ausgesprochen. Die sich schnell verändernde Geschäftswelt fordert Technologien, welche fähig sind, grosse Datenmengen in verständliche Entscheidungsgrundlagen zu verwandeln, auch bei teilweise unklaren Datenanforderungen: Bain & Company verbindet seine analytische Kompetenz als Strategieberater mit der als Wikipedia für Informationen zu weltweiten Unternehmen betitelte Daten-Plattform CrunchBase ein, welche Kunden Einblicke in Investment-Gelegenheiten vor allem im digitalen Bereich gibt. Infosys, eines der grössten IT-Unternehmen in Indien, geht einen $4 Millionen Deal mit Waterline Data ein, um seinen Kunden Zugang zu einer breiten Palette von Tools für die Automatisierung von Datengewinnungsprozessen zu ermöglichen. McKinsey wiederum verstärkt seine «Daten-Kompetenz» und verbindet Strategie, Analytics & Design durch die Akquisition der englischen Firma QuantumBlack Visual Analytics, um der steigenden Nachfrage nach Datenanalysen und Datenvisualisierung seiner Kunden zu begegnen.

 

Die Lancierung von Plattform-Dienstleistungen

Eine zusätzliche Möglichkeit, Beratungsdienstleistungen zu anzureichern, besteht in der Entwicklung von Plattform-Lösungen. Solche Technologien etablieren neue Geschäftsmodelle in der Beratung, welche es Kunden erlauben, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren oder ihren Ertrag zu steigern. Plattform-Lösungen dienen dazu, operative Prozesse oder Aufgaben für Kunden besser, schneller oder effizienter zu gestalten. Die «Vorbilder» dazu lassen sich in unterschiedlichen Start-ups finden, welche innovative Produkte und Services mit Hilfe innovativer Technologie anbieten (z.B. Uber, Airbnb, etc.): Boston Consulting Group (BCG) lanciert für seine Kunden in der Transport- & Logistikbranche xChange, einen online Marktplatz zum Austausch & Leasing von leeren Containern sowie Schiffs-, Zug- oder Lastwagen-Frachtkapazitäten. Mercer, die weltweit tätige Human Resource Beratung, investiert in die Karriereplattform Pymetrics, welche Arbeitssuchenden und Arbeitgebern eine spielbasierte Lösung für das «Talent Matching» bietet. Barkawi, eine auf Operational Excellence fokussierte Boutique-Beratung, bietet ein weltweit agierendes Online-Handelsportal als virtuellen Marktplatz für industrielle Überbestände, um Verkäufer und Käufer von wertvollen Rohstoffen und teurer Technik zusammenzubringen.

 

Prozessoptimierung durch Software

Die Digitalisierung transformiert Branchen, Geschäftsmodelle und Unternehmen in radikaler Weise und zwingt so zum Überprüfen von Strategien, Strukturen und Prozessen. Software zur effizienten und strukturierten Bearbeitung des Tagesgeschäfts mit dem Ziel einer weitgehend automatisierten Prozessabwicklung ohne manuelle Eingriffe bietet in Verbindung mit klassischem Consulting effiziente Lösungsansätze zur Analyse und Optimierung von Kern- oder unterstützenden Prozessen der Wertschöpfungskette eines Unternehmens. Die Anwendungsbeispiele, in denen Beratungshäuser ihre Software-Kompetenz aufbauen oder ergänzen, sind vielfältig: Accenture kooperiert als zentraler Implementationspartner für Workday, einer SaaS-basierten HR-Prozesslösung, CapGemini hat kürzlich den Salesforce-Anbieter onio in Deutschland akquiriert, um sein Leistungsangebot im Bereich CRM in Europa und Asien zu verstärken, Hitachi Consulting und SAP bieten zusammen eine komplette cloud-basierte Integrationslösung für die IT-Systembedürfnisse ihrer Kunden.

 

«Worlds of #creative, #consulting, and #tech are blending»

Dieser Tweet verdeutlicht, was gegenwärtig in der (digitalen) Marketing-Beratung passiert: Die Verschmelzung von Managementberatung, kreativen Agenturleistungen und IT-Lösungskompetenz, um die scheinbaren Lücken jeder singulären Leistung zu überbrücken: Managementberatungen beherrschen die digitale Transformation, sind aber «zu wenig kreativ», um Marketingkampagnen werblich zu gestalten, Agenturen verstehen hingegen die Geschäftsmodelle und Business-Realität der Kunden zu wenig, um das «big picture» zu gewährleisten, welche organisatorischen Veränderungen notwendig sind. Der Zusammenschluss von IBM mit Resource/Ammirati, einer führenden US-Digital Marketing- und Kreativ-Agentur, von Deloitte mit der Kreativ-Agentur Heat oder von EY und NorthPoint Digital sind Zeugnisse der Reaktionen von Beratungshäusern auf die zunehmende Nachfrage ihrer Kunden nach integrierten Technologie-, Beratungs- und Kreativlösungen.

 

Die neuen (Technologie-)Buzzwords

Es ist heute wahrscheinlich erst an der Oberfläche bekannt, was Unternehmen alles mit den neuen Technologien machen können oder wollen. Gewisse «Mode-Themen», die zwar heute bereits in aller Munde sind, werden erst in ein paar Jahren die notwendige technologische Reife besitzen, bis sie weitverbreitete Marktakzeptanz erreichen. Die Rede ist zum Beispiel von Künstlicher Intelligenz, Virtual Reality, 3-D-Druck oder IoT (Internet of Things). Dennoch ist es «natürlich», dass der Beratungsmarkt solche Themen bereits frühzeitig aufgreift und Ideen (wenn vielleicht auch noch keine konkreten Lösungen) für potentielle Kunden bereithält oder neue Beratungsthemen sich aus der Technologisierung unternehmerischer Geschäftsmodelle und Prozesse auftauchen. Für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, mit ihrem traditionellen Schwerpunkt der Risiko- und Regulationsberatung (Regulatory & Compliance»), bietet sich das Thema Cybersecurity an. Dieses hat bereits beträchtlich zum (Beratungs-)Wachstum der Big Four beigetragen. Themen wie Internet of Things, Industrie 4.0 oder Service 4.0. stehen noch in den Anfängen, nichtsdestotrotz lassen sich bereits Bewegungen am Beratungsmarkt beobachten, welche auf das zukünftige Potential schliessen lassen: Accenture kauft Cimation, einen Industrial Internet of Things-Anbieter für den Energiesektor, und expandiert in Blockchain-Technologien, KPMG investiert in FinTech-Firmen wie Master IT in Australien.

 

Und «what about the customer»?

Kundenunternehmen sind heutzutage fast mit einer bedrückenden Auswahl an Möglichkeiten für smarte Investitionen in neue Technologien konfrontiert. Nicht für alle Optionen zeichnet sich bereits ein klares Zielbild ab, wohin die Reise geht. Für die Einschätzung des Mehrwerts, der Risiken und Auswirkungen neuer Digitalisierungs-Trends sind Kunden heute auf externes Know-how angewiesen. Sie suchen nach Beratungsunternehmen, die zwei Anforderungen erfüllen: Erstens müssen Berater die Spezialisten in den jeweiligen Technologien und Lösungen sein, zweitens müssen diese aber so viel Verständnis für das Geschäft ihrer Kunden aufbringen, damit sie die betriebswirtschaftlichen, strategischen, organisationalen und prozessualen Implikationen jedes neuen «technologischen Buzzwords» deutlich machen können.