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Consulting 4.0: The Future of Consulting oder nur Trend?

Consulting4.0

Klassisches Management Consulting – das Ende einer Ära

Seit je her ist die Wirtschaftswelt durch Strukturwandel geprägt. Man denke nur an die grossen industriellen Revolutionen, hauptsächlich beeinflusst durch die zunehmende Anzahl mechanischer Erfindungen und das Aufkommen der Massenproduktion oder in jüngerer Zeit durch die technologischen Entwicklungen im Bereich der Mikroelektronik und Informationstechnik. Seit Jahrzehnten haben Unternehmensberatungen aber am Strukturwandel nur verdient, weil dieser das Geschäftsmodell der Beratung kaum tangiert hat. Heute steht die Beratungsbranche selbst vor einem grundlegenden Wandel.

Jahrzehntelang bestand das Geschäftsmodell der Consulting-Branche in der Entsendung von smarten Mitarbeitern in die Kundenorganisationen, um deren vordringlichsten Probleme und Herausforderungen zu lösen. Ob die Definition einer neuen Strategie, Kostensenkungsmassnahmen oder die Einführung neuer Technologien anstanden, die Beratungsbranche hatte immer die richtigen Rezepte zu bieten. Hohe zweistellige jährliche Wachstumsraten der Beraterumsätze galten als normal. Inzwischen sorgen sich die Beratungsunternehmen um langsames Wachstum, Verdrängungswettbewerb und Konsolidierung. Die Zeiten nach der Finanzkrise um 2008 forderten die ersten Verluste: Namhafte Beratungsfirmen wie Roland Berger oder A.T. Kearney bangten um ihre Zukunft, Booz, Allen Hamilton und Monitor wurden aufgekauft, viele renommierte Boutique-Beratungshäuser wie J&M, Management Engineers und Brainnet gingen in den grossen Big Four-Unternehmen auf.

 

Consulting 4.0 – Der Beginn einer neuen Ära

2013 hat Clayton M. Christensen, Professor an der Harvard Business School, in einem viel beachteten Artikel konstatiert, dass disruptive Entwicklungen nun auch die Beratungsbranche erreicht haben. Die Beratungsbranche steht vor der Herausforderung, sich neu formen zu müssen: Neue Geschäftsmodelle, neue Wachstumsfelder und innovative Produkte und Dienstleistungen tun not.

Der Begriff Consulting 4.0 ist angelehnt an die verschiedenen industriellen Revolutionen (von Industrie 1.0 bis Industrie 4.0), ist aber bei weitem nicht so klar definierbar oder abgrenzbar. Ähnlich jedoch wie bei Industrie 4.0 wird Consulting 4.0 häufig auf die Entwicklungen im Rahmen der und die grossen Veränderungen durch die Digitalisierung zurückgeführt. Beratung 4.0 ist aber weit mehr als die Digitalisierung der Consulting-Branche. Consulting 4.0 ist die grundsätzliche Umwälzung einer Branche, die bis anhin von strukturellen Veränderungen verschont geblieben ist. Die Ursachen und Auswirkungen dieser Entwicklung in der Beratungsbranche, die in den nächsten Abschnitten beschrieben werden, werden dies deutlich machen.

 

Consulting 4.0: Die Ursachen

Aber was ist passiert? Die Gründe dieses Wandels in der Beratung sind nicht eindimensional und eindeutig. Die Zeiten der wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten und der konjunkturellen Abflachung tragen sicher ihres dazu bei. Dass die Kunden der Berater anspruchsvoller und professioneller geworden sind und tendenziell genauer hinschauen, ob sie Beratungsleistungen beziehen und welches Beratungsunternehmen sie einsetzen wollen, ist bereits eine etwas länger andauernde Entwicklung. Neue IT-technische Entwicklungen (Digitalisierung) machen auch vor der Beratungsbranche nicht halt, aber das haben sie noch nie. Trotzdem steht die Beratungsbranche vor einem Neubeginn. Das Beratungsgeschäft hat sich grundsätzlich verändert.

Die Ursachen sind dort zu suchen, wo Beratungsleistungen eingekauft werden: Bei den Kunden. Die Bedürfnisse der Beratungskunden haben sich grundlegend verändert, nur so ist es beispielsweise zu erklären, dass der Branchenprimus McKinsey als Vorreiter seine Geschäftsmodelle schon frühzeitig zu verändern begonnen hat. Lange Zeit stand McKinsey, zusammen mit den zwei anderen «Grossen» der Strategieberatung, Boston Consulting Group und Bain, für die Lösung der zukunftsweisenden Fragen in den Vorstandsetagen mit Hilfe ihrer analytischen, methodischen und fachlichen Expertise zur Definition von Unternehmensstrategien der renommiertesten Kundenunternehmen. Heute ist die Strategieberatung auf rund einen Fünftel des ursprünglichen Volumens geschrumpft.

Nicht, dass Kundenunternehmen heute keine Strategien mehr brauchen. Aber Kundenunternehmen sind selbständiger (d.h. sie können viele der ursprünglich von Beratungsunternehmen übernommenen Aufgaben heute selbst erledigen) und anspruchsvoller (d.h. sie kaufen die ursprünglichen Geschäftsmodelle – viele Junior Consultants, ausgedehnte Analyse- und Datenaufbereitungsphasen, intransparente Problemlösungs-Prozesse – der Beratungshäuser nicht mehr unkritisch ein) geworden. Zudem sind die zusätzlichen Effizienzsteigerungspotentiale mit den herkömmlichen Methoden und Tools nach zahlreichen von Consultants begleiteten Lean-Programmen und Kostensenkungsinitiativen begrenzt.

Komplexe und unsichere Marktverhältnisse stellen Kundenunternehmen vor neue Herausforderungen und Problemstellungen. Und verschieben die Nachfrage nach Beratungsleistungen grundlegend.

 

Consulting 4.0: Die Auswirkungen

Gefragt sind zwei Arten der Beratung: Erstens für bei den Kunden bekannte Problemstellungen, deren Lösung ebenfalls mehr oder weniger bekannt ist. Mit einer Auswirkung: je genauer die Kunden wissen, was sie wollen, desto detaillierter werden ihre Anforderungen – und umso kleiner die einzelnen Aufträge oder desto grösser der Preisdruck für Berater («Commodity»-Beratung). Zweitens für unbekannte Problemstellungen oder Herausforderungen, deren Lösungen nicht bekannt sind. Zur Verschiebung der Nachfrage der Kunden nach Beratung beigetragen haben natürlich auch die Entwicklungen im IT-Sektor (Digitalisierung). Nicht nur entstehen in verschiedenen Branchen durch die neuen technologischen Möglichkeiten disruptive Geschäftsmodelle, welche etablierte Kundenunternehmen unter massiven Handlungsdruck stellen, auch die technisch unterstützte Datengenerierung und -aufbereitung erlaubt durch ihre detaillierten und die grosse Anzahl an Informationen über Finanzkennzahlen, Lagerstände, Einkaufsverhalten oder Produktionsprozesse neue Lösungen zur Hebung von Effizienz- und Effektivitätssteigerungspotentialen. Diese neuen (digitalen) Lösungen können für funktionale Optimierungen beispielsweise im Finanzreporting, im Vertrieb oder in der Instandhaltung eingesetzt werden.

 

Consulting 4.0: Die Anbieter

Wer bietet Beratung 4.0 überhaupt an bzw. wer ist dazu in der Lage? Zunächst einmal ist zu beobachten, dass ähnlich wie beim Thema Digitalisierung auch die 4.0 Beratung aktuell ein attraktives Aushängeschild darstellt. Unternehmensberater aller Ausrichtungen (siehe z. B. die beim BDU gelisteten Beratungsunternehmen) werben mit diesen Begriffen um Klienten.

Die Kompetenzen, die von einem Berater erwartet werden, haben sich kaum geändert: Er muss spezielles Methodenwissen sowie Erfahrung und Expertise über bestimmte Branchen und Fachgebiete vorweisen können. Die neuen Problemstellungen der Kunden, die neuen Kundenbedürfnisse und die gestiegene Professionalität der Kundenunternehmen verlangen aber mehr. Der Mehrwert eines Beratungsunternehmens wird nicht mehr nur in seinen Fachkompetenzen, Erfahrungen und in seiner Expertise gesehen, es geht immer mehr um die Fähigkeit eines Beraters, innovative und umsetzbare Lösungen zu einem angemessenen Preis-Leistungsverhältnis in komplexen Marktverhältnissen zu erarbeiten. Dies erfordert mehrdimensionales Spezialistenwissen: Das gegenwärtig stattfindende Zusammenwachsen von Strategie- und Marketing-/Kreativ-Beratung, von Strategie- und Technologieberatung, von konzeptioneller und Umsetzungsberatung sowie von (IT-gestützter) Datenanalyse (Analytics, Predictive Analytics) mit (beratungsunterstützter) Dateninterpretation sind Zeugen davon.

Der Strukturwandel im Zuge der Entwicklung zu Beratung 4.0 hat noch keine eindeutigen Gewinner hervorgebracht. Die Grossen der Branchen – Strategieberater, Technologieanbieter, Systemintegratoren oder Wirtschaftsprüfer – nutzen die Chance, sich als Multispezialisten zu positionieren und kaufen dafür auch munter kleinere Spezialistenanbieter dazu. Aber auch kleinere Spezialisten-Consultants mit ihrem tiefen Fachwissen und/ oder innovativen Lösungsangeboten können bei den Kunden heute durchaus punkten – sei es im Verbund mit anderen Anbietern oder als selbständige Unternehmen. Die Beratungslandschaft ist dadurch vielfältiger, aber auch kompetitiver geworden. Die Transparenz in diesem Beratungsmarkt über die diversen Anbieter zu schaffen, bleibt damit eine der wesentlichsten Herausforderungen für die Kundenunternehmen, welche jeweils Ausschau nach dem am besten geeigneten Beratungsanbieter für ihre Problemstellungen suchen.

 

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